AKTUELLES

Preisverleihung an LIB e.V.-Vorstandsmitglied Rabeya Müller

 

Am 15. November 2017 wurden unserem Vorstandsmitglied Rabeya Müller von der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste die Toleranzringe 2017 verliehen. Wir gratulieren ihr herzlich zu diesem Preis, der sie als erste liberale Imamin in Deutschland ehrt.

 

Mehr dazu im WDR-Beitrag:

 

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-kultur-am-mittag/audio-auszeichnung-fuer-koelner-imamin-rabeya-mueller-102.html


LIB-Themenwoche in Berlin

Am 7. und 8. Oktober fand unser diesjähriges Themenwochenende in Berlin statt, an dem wir uns mit den unterschiedlichsten Themen der islamischen Religions-, Kultur- und Alltagsgeschichte beschäftigt haben: wir haben Neues über islamische Rechts- und Denkschulen gelernt, uns über zeitgenössische Ansätze der Koranexegese informiert und uns mit dem für Musliminnen und Muslime relevanten Punkten des deutschen Bestattungswesens auseinandergesetzt. Interessierte konnten zudem an einem Kalligraphiekurs teilnehmen oder durch Afghanistans vergangene Zeiten reisen. Neben all dem gab es noch genügend Zeit für persönliche Gespräche und Austausch und leckeres Essen.

Wir danken allen, die dieses Wochenende zu einem besonderen gemacht und die LIB-Familie noch weiter zusammenwachsen lassen haben. Ein Extradank geht an die REFO Moabit, deren Räume wir für unser Themenwochenende nutzen durften.


Grußwort zum Opferfest 2017

Liebe Geschwister und Freunde, as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu,

 

wir wünschen Euch, Euren Familien und Liebsten ein frohes und friedliches 'Id al-Adha. An dem höchsten unserer Feiertage erinnern wir uns an die Gottesergebenheit Ibrahims und fragen uns, welche Opfer wir zu bringen bereit sind. Und wofür wir sie erbringen.

 

Gott hat von Ibrahim nicht das Unmenschliche verlangt und damit wieder einmal gezeigt, wie nahe er dem Menschen steht, wieviel Verständnis und Wissen über ihn selbst er ihm entgegenbringt. Denn nicht der Sohn wurde geopfert, sondern ein Tier. Mit dem Fleisch der Opfertiere wurden und werden bis heute die Armen gespeist. Das Opfer wird so in Liebe und Ergebenheit Gott gegenüber erbracht und unterstützt die Armen, die Hungernden, die Benachteiligten.

 

Es wäre wunderbar, wenn wir diesen Gedanken durch das Jahr und in die Welt hinaustragen könnten: dass auch unser Glaube uns dazu motiviert und aufruft, zu teilen, zu unterstützen, da zu sein für diejenigen, die unserer Hilfe bedürfen. Das darf uns ruhig ein wenig Anstrengung kosten, zwingt uns aber nicht, unsere Grenzen zu überschreiten. Denn die Geschichte Ibrahims zeigt uns: Gott fordert von uns das, was uns möglich ist. Nicht mehr. Und das, was jedem einzelnen möglich ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, von Situation zu Situation. Dieses Wissen schenkt uns eine Geborgenheit und Sicherheit, aus der heraus wir handeln und das Opfer erbringen können, zu dem wir imstande sind.

 

Wir wünschen Euch allen segensreiche Festtage!

 


Grußwort zum Ramadan-Fest ʿId al-Fitr 2017

Liebe Geschwister und Freunde, as-salamu ʿalaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu,

 

Wir wünschen euch und euren Familien ein gesegnetes, fried- und fröhliches ʿId al-Fitr.

Auch in diesem Jahr mag es manchen schwergefallen sein, im Ramadan innezuhalten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das eigene Leben zu „entschleunigen“, wie man heute so schön sagt. Zu viele Nachrichten, die Trauer und Entsetzen hervorrufen, prasseln auf uns ein, zu viele Diskussionen werden geführt, die Energien und Emotionen binden, welche anderswo konstruktiver und wirkungsvoller eingesetzt werden könnten.

Lasst uns dieses Gefühl, auch wenn es so manches Mal frustrierend erscheinen mag, mitnehmen in unseren Alltag und versuchen, immer wieder einmal innezuhalten und uns zu fragen, wofür wir unsere Energie einsetzen möchten, wo wir etwas verändern wollen. All dies vor dem Hintergrund, dass wir der gesamten Schöpfung Gottes nicht nur mit Liebe und Respekt, sondern auch mit Verantwortung gegenübertreten.

"Er ist es, der die Erde ausbreitete und feststehende Berge und Flüsse auf ihr entstehen ließ. Er erschuf auf ihr Früchte aller Art und ein Paar jeder Tierart. Er lässt die Nacht und den Tag sich abwechseln. Hierin liegen Zeichen für ein nachdenkliches Volk." (Koran 13:3)

Wir wünschen euch segensreiche Festtage!

 


Friedensmarsch in Köln am 17. Juni 2017

#NichtMitUns - Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror

Paris, Brüssel, Orlando, Berlin, Istanbul, St. Petersburg, Kabul, Manchester, London, immer wieder in Syrien, Israel, im Irak, Jemen, in Pakistan und an anderen Orten dieser Welt: Die Anschläge von Menschen, die sich zur Rechtfertigung ungefragt auf den Islam berufen, häufen sich. Sie erschrecken uns alle - Muslime wie Nicht-Muslime. Wir alle leiden mit den Opfern und ihren Angehörigen - ganz egal zu welcher Religion oder welcher Weltanschauung man sich bekennt.

Lasst uns ein mächtiges Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen. Muslime in ganz Deutschland und ihre Freunde rufen zu einem Friedensmarsch am Samstag, den 17. Juni 2017, einen wichtigen Tag in der deutschen Geschichte und einen Tag mitten im Ramadan, auf. Die Demo beginnt um 13 Uhr auf dem Heumarkt mitten in der Kölner Innenstadt.

Der Ramadan ist der heilige Monat im Islam. Ein Monat des Friedens, der Solidarität mit den Armen, der Familie und der guten Nachbarschaft. Perverser Weise nutzen die Terroristen ausgerechnet diese Zeit immer wieder für besonders viele ihrer abscheulichen Taten. Deshalb bietet sich der Monat ganz besonders an, um auf die Straße zu gehen und ihnen aus voller Kehle entgegen zu rufen: „Nicht mit uns!“ „Ihr gehört nicht dazu!“ „Ihr seid nicht wir, und wir sind nicht ihr!“ 

Lasst uns alle diese wichtige Zeit für Muslime nutzen - ob wir nun gläubig sind oder nicht, ob wir den Islam als Religion mögen oder nicht. Ein Friedensmarsch im Ramadan, initiiert von Muslimen, unterstützt von unterschiedlichen Akteuren der Gesellschaft, wäre ein symbolträchtiges Signal.

Wir lassen es nicht zu, dass Terroristen im Namen des Islams aber auch nicht im Namen anderer Religionen und anderer Ideologien Unschuldige töten und alles beschmutzen, was uns als Menschen im 21. Jahrhundert wichtig ist. 

Wir demonstrieren gegen Extremismus, Terrorismus, Krieg und Diktatur.

Wir treten ein für eine solidarische Welt, für Pluralismus innerhalb und außerhalb der Religion, gegen eine Spaltung unserer vielfältigen Gesellschaft in „WIR“ und „IHR“.

Der Widerstand gegen die Terroristen, diese Verbrecher und verblendeten Fanatiker nimmt uns alle in die Pflicht. Aber er nimmt ganz besonders uns Muslime in die Pflicht. Das tut weh! Ja! Doch es ist unser Glaube, der hier missbraucht wird, der hier beschmutzt, beleidigt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Dabei wehren wir Muslime uns schon seit Langem dagegen. Immer wieder haben sich in aller Welt muslimische Geistliche und einfache muslimische Gläubige gegen diese grenzenlose Gewalt ausgesprochen. Eine einfache Google-Recherche fördert zahlreiche Treffer im In- und Ausland zutage. Und trotzdem müssen wir diesen Widerstand gegen den Terror immer wieder aufs Neue bekunden. Denn die Anschläge hören ja nicht auf. Immer mehr Menschen in allen Teilen der Welt sterben und immer wieder verweisen die Täter auf den Islam. Zugleich nutzten manche diese Schreckenstaten, um einen Keil in unsere pluralistische Gesellschaft zu treiben. Aber wir lassen uns nicht spalten. 

Wir vergessen hier nicht den Terror von Rechtsradikalen seien sie beim NSU, bei der Gruppe Freital oder anderswo. Wir wollen dieses Mal nur die Aufmerksamkeit auf die andere Seite richten.

Wenn wir Muslime diese Absage an Terror und Gewalt bekunden, tun wir das nicht, um irgendjemandem zu gefallen. Wir tun es nicht, weil wir uns als Muslime von diesen Gewalttätern distanzieren müssten. Um sich zu distanzieren, müsste es vorher eine Nähe zu diesen Verbrechern gegeben haben. Aber wir Muslime haben keine inhaltliche, keine geistige, keine emotionale Nähe zu IS-Terroristen, zu al-Qaida-Kämpfern oder Boko-Haram-Rebellen. Wir lieben unsere Partner ebenso wie andere. Wir lieben unsere Kinder ebenso wie andere. Wir bemühen uns ebenso wie andere um ein auskömmliches Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Wir streben ebenso wie andere danach, gute Menschen zu sein. Wenn wir Muslime uns also gegen diese Zivilisations-Zerstörer wenden, die Blut, Leid und Tränen über uns alle bringen, dann tun wir das:

  • weil wir unseren Glauben an Gott schützen
  • weil wir an das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen, unterschiedlichen Weltanschauungen, unterschiedlichen Hautfarben, unterschiedlichen Herkünften glauben
  • weil wir uns nicht von Gewalttätern vereinnahmen lassen
  • weil wir die Freiheit lieben
  • weil wir die Demokratie verteidigen
  • weil wir dem säkularen Rechtsstaat für ein gemeinsames Dasein vertrauen
  • weil wir Rassismus, Antisemitismus, Hass auf sonstige Minderheiten, Diskriminierung und Ausgrenzung bekämpfen
  • weil wir Teil eines großen Ganzen sind, einer Gesellschaft, einer Erde, einem Planten

Aber alleine können wir viel weniger erreichen, als wenn wir alle gemeinsam zusammenstehen. Muslime machen gerade einmal 5 bis 6 Prozent der deutschen Bevölkerung aus, auch wenn täglich ausführlich in Politik und Medien über uns berichtet wird. Wir sind kaum organisiert. Die meisten Muslime hierzulande stehen für sich, sie gehören keinem Verband an. 

Deshalb brauchen wir unsere Freunde. Und daher bitten wir um Unterstützung aus der gesamten Gesellschaft. Wir sollten alle gemeinsam Seite an Seite stehen. Es braucht ein breites, starkes Bündnis von all jenen, die sich für Toleranz, Gleichheit und Brüderlichkeit unter allen Menschen einsetzen. Wir kämpfen doch alle für eine Welt, die unseren Kindern Schutz und eine Heimat bietet, in der diese sich wohlfühlen und in der diese ihre Persönlichkeiten frei entfalten können. 

UNTERSTÜTZT UNS! UND UNTERZEICHNET MIT EUREN VEREINEN, INSTITUTIONEN, NETZWERKEN UND PARTEIEN DIESEN AUFRUF! 
unterzeichnen@ramadan-friedensmarsch.de

KOMMT AM SAMSTAG, den 17. JUNI 2017, UM 13 UHR ZUM HEUMARKT IN KÖLN! 

VERBREITET DIESEN AUFRUF AUF ALLEN PLATTFORMEN!

BRINGT EURE FAMILIE UND NACHBARN MIT! 

WIR BITTEN AUF FAHNEN (LÄNDER, PARTEIEN, ORGANISATIONEN) UND POLITISCHE STATEMENTS ZU VERZICHTEN – NUR FRIEDENSBOTSCHAFTEN!

Diese Demonstration ist initiiert und wird organisiert von 
Lamya Kaddor (Islamwissenschaftlerin und Publizistin) & 
Tarek Mohamad (Filialleiter und muslimischer Friedensaktivist) 

Unterzeichnen: unterzeichnen@ramadan-friedensmarsch.de 
Pressekontakt: presse@ramadan-friedensmarsch.de


zum heutigen 23.05.2017, dem Geburtstag des Grundgesetzes, verabschiedet der LIB e.V. seine Charta:

 

 

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes

 

Charta des Liberal-Islamischen Bundes („LIB-Charta“)

 

Präambel

 

Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und der Verpflichtung, Ihm und mithin Seiner Schöpfung durch den Einsatz für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu dienen, ergeht diese Erklärung. Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das heißt, er ist auf die ethische Prägekraft seiner Bevölkerung angewiesen, um eine am Gemeinwohl orientierte Politik verwirklichen zu können. Wir als muslimische Bürgerinnen und Bürger dieses Staates möchten insbesondere aus unserer Glaubens- überzeugung heraus zur Stützung und Förderung eines solchen Ethos beitragen und tun dies in der Hoffnung, dabei sowohl in die muslimische Gemeinschaft als auch in die Mehrheitsgesellschaft hinein einen Impuls zu setzen.

 

Wir bekennen uns uneingeschränkt zu den im Grundgesetz und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) niedergelegten Werten. Bisherige Menschenrechtserklärungen seitens muslimischer Staaten oder Gruppen zeichnen sich oft dadurch aus, dass entweder die Menschenrechte unter einen „Scharia-Vorbehalt“ gestellt werden oder aber „die Scharia“ unter einen „AEMR-Vorbehalt“, was dem Einsatz für Menschenrechte nicht förderlich ist. Denn hier- durch wird ein vermeintlicher Widerspruch zwischen den Menschenrechten und der Scharia suggeriert, was nach unserem Verständnis der Scharia jedoch nicht der Fall ist: Wir begreifen die Scharia nicht als rechtliches Regelwerk, sondern als (individuellen) ethischen Leitfaden ei- ner jeden Gläubigen und eines jeden Gläubigen. Basierend auf diesem Verständnis ist Sinn und Zweck der Scharia unserer Auffassung zufolge, am Gemeinwohl (maṣlaḥa ʿāmma) orientierte Zustände herzustellen. Dieses Verständnis der Scharia, deren Inhalte immer das Ergebnis menschlicher Interpretationen sind, teilen wir mit zeitgenössischen Reformtheologinnen und Reformtheologen.

 

Was das Herstellen gemeinwohlorientierter Zustände im Konkreten bedeutet, muss jede Generation für ihren historischen Kontext von Neuem ermitteln: So enthält der Koran nur wenige konkrete juristische Regelungen, die zudem durch den historischen Kontext des 7. Jahrhunderts bedingt sind. Gleichzeitig enthält er überzeitliche Gebote (wie z.B. das der Achtung der Menschenwürde, Koran 17:70). Da diese überzeitlichen Gebote auch für das 7. Jahrhundert gelten, sind zum einen die historisch bedingten Verse im Lichte der überzeitlichen Gebote auszulegen – das heißt: Jede Auslegung, die z.B. dem Gebot der Achtung der Menschenwürde widerspricht, kann nicht stimmen, da der Koran sonst selbst-widersprüchlich wäre (vgl. Koran 4:82). Zum anderen gibt der Koran mit den überzeitlichen Geboten jeder (späteren) Generation Leitlinien an die Hand, um mithilfe der ihr zur Verfügung stehenden Erkenntnisse und Mittel für ihren jeweiligen historischen Kontext zu eruieren, wie sie diese überzeitlichen Gebote in ihrem jeweiligen historischen Kontext am besten zur Verwirklichung bringen kann.

 

Es gibt Musliminnen und Muslime, die mit Verweis auf „die Scharia“ auch heute die Todesstrafe, Körperstrafen, die Ungleichbehandlung der Frau und vieles mehr rechtfertigen bzw. begründen. Jedoch ist die Scharia stets ein hochflexibles, für historische Gegebenheiten und Menschheitser- fahrungen bzw. Erkenntnisfortschritte offenes, d.h. diese bei der Auslegung berücksichtigendes System gewesen. Die Menschenrechte sind das Ergebnis jahrtausendelanger kollektiver historischer Menschheitserfahrung, die der kritischen Gegenprüfung durch die Vernunft und die Menschheitsgeschichte standhalten. Sie sind daher als Bestandteil der Scharia anzusehen und nicht als etwas „Externes“, das evtl. im Widerspruch zu ihr stehen könnte.

 

Mit dieser Erklärung soll das politisch-juristische Wertefundament für unser Wirken konzis formuliert werden. Eine detailliertere Ausführung dieser Gedanken bleibt weiteren separaten, ausführlicheren Stellungnahmen vorbehalten.

 

1. Die Würde des Menschen ist unantastbar

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. ...bitte lesen Sie hier weiter

 


 

 

Pressemitteilung zur „Homo-Ehe“, 16.05.2017

 

Im Zuge der sich intensivierenden politischen und gesellschaftlichen Diskussion zum Thema „Homo-Ehe“ und anlässlich des morgigen Internationalen Tages gegen Homophobie erklärt der Liberal-Islamische Bund, dass er das Recht auf Ehe für Homosexuelle befürwortet und sich entschieden gegen die Diskriminierung von homosexuellen Paaren ausspricht.

 

Der Liberal-Islamische Bund setzt sich seit seiner Gründung theologisch für eine vollwertige Akzeptanz, Gleichberechtigung und Inklusion von Homosexuellen ein“, so Nushin Atmaca, Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. „Grundlage für Partnerschaft ist im Islam die Liebe sowie eine Beziehung auf Augenhöhe, in der sich beide Beteiligten als Subjekte begegnen und ihrer Verantwortung und Pflichten einander gegenüber bewusst sind.

 

Der Liberal-Islamische Bund unterstützt Paare bei der Eheschließung, die im Islam ein privatrechtlicher Vertragsschluss ist, unabhängig von der sexuellen Orientierung der Partner*innen, sofern die genannten Kriterien erfüllt sind und mindestens eine Person geschlechterunabhängig Muslim ist. Es ist zu wünschen, dass solche Ehen durch den Gesetzgeber auch säkular-rechtlich als Ehen anerkannt werden. Der zentrale Vers im Koran, der sich mit Partnerschaft und deren wesentlichen Sinn und Zweck beschäftigt, lautet: Zu Seinen Zeichen gehört, dass Er für euch Partner aus euch selber geschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit bewirkt. Darin sind fürwahr Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (30:21). Grundlage für Partnerschaft ist im Islam also die Liebe sowie eine Beziehung auf Augenhöhe.

 

Mit seiner Position vertritt der Liberal-Islamische Bund eine unter deutschen Muslim*innen weit verbreitete Meinung: Laut dem Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung befürworten rund 50 % der deutschen Muslim*innen eine Homo-Ehe, was mit Blick auf die eindeutige Ablehnung durch die traditionelle Theologie ein hoher Wert ist.

 

Auch politisch lässt sich ein Verbot der Homo-Ehe nicht begründen. Sofern argumentiert wird, dass Sinn und Zweck der Ehe Nachkommenschaft sei, müsste die Ehe auch z.B. für Senioren oder zeugungsunfähige Heterosexuelle verboten werden. Sofern argumentiert wird, dass Kinder mit beiden Geschlechtern als Eltern aufwachsen müssten, müsste auch Alleinerziehung untersagt werden. Schon heute werden Kinder von homosexuellen Paaren großgezogen. Dass hierdurch das Kindeswohl gefährdet würde, ist durch keine Studie belegt. Kinder benötigen v.a. Liebe, Geborgenheit und Fürsorge all dies kann auch von homosexuellen Eltern geleistet werden (bzw. wird bereits geleistet).

Ebenso wenig vermögen juristische Einwände zu überzeugen. Der verfassungsrechtliche Ehebegriff ist schon seit jeher dynamisch ausgelegt worden und nicht statisch im Sinne der damaligen Vorstellungen des Verfassungsgebers.

Aufgrund seines Selbstverständnisses, jedweder Art von Diskriminierung entgegenzutreten, und der Tatsache, dass weder theologische noch politische und juristische Argumente gegen eine Homo-Ehe sprechen, macht sich der Liberal-Islamische Bund dafür stark, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen.

 

DER VORSTAND

 

Eine ausführlichere Begründung dieser Gedanken findet sich in der Rubrik "Inhalte und Ziele - Positionspapiere"  


wir wachsen!

am kommenden Mittwoch findet das erste LIBlocal-Treffen im Kreis Ennepe-Ruhr statt!

um 17:00 Uhr treffen sich alle Interessierten vor der VHS (Mittelstraße 86, 58285 Gevelsberg). Kontakt: Faten G.

wir freuen uns über den "Zuwachs" und hoffen, dass aus den LIBlocal-Treffen ebenso eine aktive Gemeinde entsteht, wie es in Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart der Fall war!


Der Liberal-Islamische Bund e.V. verurteilt den dschihadistischen Terroranschlag auf den Champs Élysees aufs Schärfste. Unsere Gedanken und Gebete sind bei dem Opfer, seinen Angehörigen und allen, die Zeugen des Anschlags wurden. Wir hoffen, dass diese Tat die Unterstützung für den Front National nicht noch stärker werden lässt und wünschen den Menschen in unserem Nachbarland Frankreich, dass sie trotz der Attentate, die sie in den letzten Jahren durchleben mussten, zusammenstehen und ihre offene und freie Gesellschaft verteidigen.

 

Der Vorstand, 21.04.17


Pressemitteilung: Verurteilung dschihadistischer Anschläge

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist erschüttert über die dschihadistischen Anschläge der vergangenen Tage und Wochen. Unsere Gebete und Gedanken sind bei den Toten und Verletzten von London, Stockholm, Tanta und Alexandria, sowie ihren Verwandten. Auch gedenken wir all der Namenlosen und Unbekannten weltweit, die dschihadistischem Terror zum Opfer fielen und tagtäglich fallen.

 

Wir verurteilen diese Taten auf das Schärfste und sind schockiert darüber, dass die Gewalt und Verrohrung, die durch diese ausgestrahlt wird, auf manche Menschen eine solche Faszination ausübt, dass sie zu Nachahmern werden, wie offenbar in London geschehen.

Ebenso verurteilen wir die fundamentalistische und gewaltverherrlichende Lesart unserer religiösen Quellen, die solche Attentate rechtfertigt und religiös legimitiert.

 

Der LIB setzt sich in Deutschland und gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen europa- und weltweit für eine tolerante und offene Lesart des Islams ein. Wir werden diese Arbeit fortsetzen und intensivieren, um diejenigen Musliminnen und Muslime zu stärken, die dem Hass und der Gewalt entgegentreten und sich für eine liberale und plurale Gesellschaft einsetzen.

 

Den Attentätern, ihren Hintermännern und Vordenkern halten wir entgegen: Ihr handelt nicht in unserem Namen!

 

DER VORSTAND

10.04.2017


Bilder unseres Gottesdienstes mit der Lutherkirche Köln am 19.03.2017:



Wir sind nun auch auf Youtube zu finden!

hier werden wir Vorträge, Statements und Filme über unsere Arbeit veröffentlichen.

Den Anfang machen wir aber heute mit Aufnahmen, die beim Opferfest 2016 entstanden sind. In dem kleinen Imagefilm kommen einige unserer Mitglieder zu Wort und stellen den Liberal-Islamischen Bund kurz vor.

https://www.youtube.com/channel/UCgl2a1CfmX0l0iuJ0PG91lA

Bitte abonnieren Sie unseren Kanal, um über unsere Arbeit auf dem Laufenden gehalten zu werden!



Über 50 Besucher fanden sich am 08. Dezember in der Aula des Robert-Bosch-Berufskollegs in Duisburg ein, um an der prominent besetzten Auftaktveranstaltung des Projekts "Extreme Out - Empowerment statt Antisemitismus" teilzunehmen.

 

Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die das Projekt für den Liberal-Islamischen Bund e.V. leitet und gemeinsam mit dem Ibis-Institut konzipierte, konnte neben Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert auch die Expertinnen Dr. Juliane Wetzel von der TU Berlin, sowie Imamin Rabeya Müller (LIB e.V.) und Volker Haarmann (Ev. Kirche) begrüßen.

 

Nachdem das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Projekt, das sich über einen Zeitraum von drei Jahren überwiegend an muslimische Jugendliche richtet, von Lamya Kaddor vorgestellt wurden, hielt Dr. Norbert Lammert ein Geleitwort.

 

Im Anschluß daran wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Podiumsdiskussion über Antisemitismus bei muslimischen ZuwanderInnen diskutiert.

Nach der Pause wurden erste Ergebnisse aus der explorativen Studie von Stephanie Schoenen (IBIS) vorgestellt. Anschließend hielt Dr. Juliane Wetzel einen Fachinput zum Thema Antisemitismus, dem sich die theologische Podiumsdiskussion mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften anschloss.

 

"Extreme Out - Empowerment statt Antisemitismus" richtet sich in erster Linie an muslimische Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund. Das Projekt soll den Jugendlichen nicht nur grundlegende Informationen über das Judentum vermitteln und über unterschiedliche, antisemitische Formen als gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit aufklären. Es soll den Jugendlichen zudem die Möglichkeit eröffnen, sich auf religiös-theologischer Ebene mit der Thematik auseinander zu setzen. Sie sollen historischen und aktuellen Antisemitismus erkennen lernen und Kompetenzen erwerben, um diesem entgegen zu wirken zu können - auch im religiösen und kulturellem Kontext. Dazu gehört auch, dass neben der Analyse von koranischen/islamischen Aussagen und der Sensibilisierung für konstruierte Feindbilder auch Begegnungen mit Menschen jüdischen Glaubens ermöglicht werden.


Jeder Mensch hat, unabhängig von seinem religiösen Hintergrund, das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Dies gilt auch in Bezug auf den Islam und eine mögliche Abkehr vom selbigen. 
Wir betrachten es als unser aller Aufgabe, dieses Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen, auch für Meinungen, die wir nicht teilen.

Daher hat der LIB e.V. den Aufruf unser Partnerorganisation Muslims for Progressive Values gerne unterschrieben:

"Muslims for Progressive Values (MPV) and partner organizations denounce the sentencing of a Mauritanian blogger Mohammed Shaikh Ould Mohammed Ould Mkhaitir to death by firing squad, and call upon the Supreme Court to overturn his conviction for apostasy.

We further believe that the doctrine of apostasy is in direct conflict with Qur'anic injunctions that protect the freedom of thought and conscience. We believe that every individual has the right to negotiate his or her faith according to the dictates of his or her heart and worldview, and that the Qur'an prescribes no worldly punishment for this. To assume the role of a judge on matters of faith is to usurp God's role."

Muslims for Progressive Values - Australia
Muslims for Progressive Values Nederland
@Muslims for progressive Values - Philippines
Komuniti Muslim Universal Malaysia - KMU
Coexistence Organization - منظٌمـة تعايش
Fondation Raif Badawi Foundation
Universalist Muslims

 

https://www.prlog.org/12609194-muslim-organizations-strongly-condemns-death-sentence-of-mauritanian-blogger.html




 

Pressemitteilung zum Verbot des Vereines „Die wahre Religion“, 15.11.16

 

Der LIB e.V. begrüßt das heutige, vom Bundesministerium des Inneren, ausgesprochene Verbot der Vereinigung "Die wahre Religion/LIES Stiftung".


Die Verbreitung radikalen, islamistischen Gedankenguts darf nicht geduldet werden.

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. prangert das Vorgehen islamistischer Hetzer seit Jahren an. Auch, wenn dieses Verbot überfällig war und der Verein 12 Jahre tätig sein konnte, ist es doch ein wichtiges Signal an extremistische Rattenfänger.


Wir hoffen, dass diese Erkenntnis im Bereich Extremismusprävention nun auch endlich Taten folgen werden. Die deutsche Politik und Gesellschaft muss sich fragen lassen, warum nicht schön längst sinnvolle, langfristige Präventionsprogramme gegen Extremismus aller Art entwickeln wurden und bestehende Organisationen bei ihren Bemühungen nicht stärker unterstützt werden.

 

Wir hoffen sehr, dass Überprüfungen und nötige Verbote extremistischer Vereinigungen und Bewegungen in alle Richtungen stattfinden.

Jeglicher Extremismus - sei es von religiöser oder von politischer Seite - gefährdet unser Zusammenleben und treibt die Spaltung unser Gesellschaft weiter voran.

 

DER VORSTAND 



Der LIB e.V. wird beim Annual International Retreat 2016 der südafrikanischen Organisation "The Inner Circle" vertreten durch Rabeya Müller.

 

Islamische Feministinnen vereint im Kampf für den "Gender Jihad":

 

Dr. Amina Wadud

Sainah Anwar

Rabeya Müller


Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) stellt klar, dass der LIB als Organisation nicht zu den Trägern der von Abdel-Hakim Ourghi ins Leben gerufenen "Freiburger Deklaration" gehört. 

Wir halten diese Klarstellung indes für notwendig, da in dem Dokument mehrfach die Rede von "liberal-islamische Ideen“, "liberalen MuslimInnen“ sowie von "liberalen Islam" ist. Das in dem Dokument postulierte Verständnis dieser Begriffe ist jedoch nicht mit unseren Verständnis davon in jedem Punkt identisch. 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. wurde 2010 unter dem Vorsitz von Lamya Kaddor gegründet, um Musliminnen und Muslimen, die einen vernunftorientierten Zugang zum Glauben suchen, ohne an spiritueller Substanz zu verlieren, eine Stimme zu verleihen. Dies bedeutete immer, nicht nur in den Dialog mit der andersgläubigen Mehrheit zu treten, sondern vor allem auch - trotz inhaltlicher Differenzen - den innerislamischen Kontakt zu suchen. Unsere diesbezüglichen Positionen haben wir bereits vor einigen Jahren in unseren Zielen und Positionspapieren bekannt gemacht. In unseren Gemeinden an zahlreichen Standorten in Deutschland arbeiten unsere aktiven Mitglieder seitdem eifrig an ihrer praktischen Umsetzung. Besonders im Bereich der Jugendprävention (Islamismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit) engagiert sich der LIB inzwischen als zivilgesellschaftlicher Akteur. 
Längst postuliert der LIB ein Engagement für einen inklusiveren Islam (weibliche Imame, geschlechtergemischte Gebete etc.) und gegen jegliche Form von Diskriminierung und Repression in muslimischen Kontexten. 

Bei einigen anderen Punkten jedoch nehmen wir in Anspruch, eine weitaus differenziertere Position zu vertreten. Dass der Initiator selbst, Herr Ourghi, in letzter Zeit rassistischen und islamfeindlichen Diskursen in Deutschland Schützenhilfe leistet, lässt sein Anliegen rund um die "Freiburger Erklärung“ verblassen. Vor dem gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Ereignissen in den letzten Monaten und Jahren ist eine verantwortungsvolle, sachliche und vermittelnde Position derzeit unablässig. 

Selbstverständlich ist es einzelnen prominenten Mitgliedern des LIB überlassen, diese Initiative als Privatperson zu unterstützen. Wir als Liberal-Islamischer Bund e.V. unterzeichnen diese Erklärung nicht, da ein "liberaler Islam“ da aufhört liberal zu sein, wo er sich marginalisierenden Diskursen der Mehrheitsgesellschaft unreflektiert anschließt.

 

DER VORSTAND, 17.09.16

 

 

Grußwort zum ’Id-ul- Adha (Opferfest) 2016

 

As-salamu alaykum liebe LIB-Mitglieder,

 

wir wünschen euch, euren Familien und allen Musliminnen und Muslimen ein gesegnetes Opferfest.

 

Viel wird in diesen Tagen wieder über Abraham, seinen Gehorsam gegenüber Gott und die Abschaffung des Menschenopfers gesagt und geschrieben. Aber diese beeindruckende Figur, der oft auch als Urvater bezeichnet wird, hat in den im Qur’an beschriebenen Passagen seines Lebens noch viel mehr zu bieten.

Hervorzuheben wäre z.B. auch die Fähigkeit des Reflektierens und die Einsicht, dass er als Mensch eine persönliche Verantwortung übernehmen muss. Auch darin sollte uns Abraham ein Vorbild sein. Gott spricht jeden einzelnen Menschen an und fordert ihn auf zu erarbeiten, was mit seinem Leben geschehen soll.  Das heißt, jede/r sollte sich Gedanken machen, was Gott von ihm will, jede/r sollte sich Gedanken machen, was er/sie Nützliches für die Gesellschaft tun kann. Es ist sicher nicht das Ziel des Lebens andere Menschenleben zu zerstören, sei es physisch oder verbal. Im Gegenteil, wir sind gefordert im Dienste der Allgemeinheit Positives zu leisten. Das ist ein gottesfürchtiger Weg, die eigene Persönlichkeit mit einer eigenen Identität zu entwickeln. Wir wünschen allen, dass das Opferfest auch dazu beiträgt, dass es die Erkenntnis, was Gott von einem persönlich will auch zu einer persönlichen Verantwortung werden lässt.

 

Wir würden uns freuen, wenn die Worte Gottes

 

"Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.[3:104]"

 

mehr und mehr Niederschlag in der muslimischen Gemeinschaft finden würden. Lasst uns das Unsrige dazu beitragen.

 

Wa salam

 

Der LIB Vorstand


 

Pressemitteilung Gewaltakte - 27.07.16

 

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. ist zutiefst erschüttert ob der Welle der Gewalt, die in den letzten Tagen Deutschland und erneut auch unsere Nachbarn in Frankreich erreicht hat.

Terroranschläge in der ganzen Welt, der erste muslimische Selbstmord-Attentäter in Deutschland, der Amoklauf eines 18-Jährigen, ein getöteter Priester in Frankreich. Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden, denn auch uns macht diese geballte rohe Gewalt sprachlos.

 

Unser tiefes Mitgefühl gilt den Betroffenen, Verletzten und ihren Angehörigen. Auch die Einsatz- und Rettungskräfte schließen wir in unsere Gebete mit ein. 

 

Der LIB e.V. wird sich auch weiterhin für einen intensiven interreligiösen Dialog einsetzen. Wir werden mit unserer jüdischen und unseren beiden christlichen Partnergemeinden weiter daran arbeiten, dass enge Freundschaften entstehen und gepflegt werden, um dem Hass gemeinsam entgegen zu stehen. Wir werden uns durch nicht durch Extremisten jeglicher Couleur spalten lassen.

 

Theologisch werden wir - wie bisher -, die möglichen Ursachen für ein Abgleiten in den Extremismus klar benennen und durch Aufklärung und theologische Gegenkonzepte unser friedliches und freiheitliches Islamverständnis betonen. Diese Gegenkonzepte werden weiterhin Basis für unsere Jugendprojekte, z.B. gegen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Islamismus sein. 

Respekt und Achtung vor Andersgläubigen, Akzeptanz von Meinungsverschiedenheiten und der Einsatz für ein friedvolles Miteinander in der Gesellschaft sind für uns selbstverständlich.

 

DER VORSTAND 27.07.16


Stellungnahme islamistische Terrorakte im Ramadan - 06.07.16

 

Der Monat Ramadan ist der heiligste Monat im islamischen Kalender. Es ist der Monat der inneren Einkehr, der Spiritualität, des Friedens. Es ist der Monat, in dem nicht nur unbedachte und verletzende Worte vermieden werden sollen, sondern in dem über Jahrhunderte die Waffen geschwiegen haben. Die letzten zehn Tage dieses Monats gelten als besonders heilig: in diesen Nächten öffnen sich die Himmel, die Engel sind den Menschen näher als sonst, und in einer der Nächte zwischen diesen zehn Tagen überbrachte der Engel Gabriel Muhammad zum ersten Mal das Wort Gottes, welches wir heute als Koran kennen. So bietet gerade der Monat Ramadan den Muslimen an, sich Gott zu nähern, die Verbindung zu ihm (wieder) zu entdecken und aufrechtzuerhalten.

 

In diesem Jahr haben Menschen, die sich als Muslime bezeichnen und sich auf das Wort Gottes berufen, diesen Monat und seine Bedeutung besudelt, indem sie töteten und mordeten. Indem sie gerade in den letzten zehn Tagen des heiligen Monats deutlich machten, dass sie blind, voller Hass und Fanatismus auf alle blicken, die anders sind als sie, pervertierten sie das Wort Gottes, das Gabriel Muhammad überbrachte und das – so schwer es manch einem von uns heute fallen mag, sich das vorzustellen – eine Botschaft des Friedens enthält.

 

Auch wenn Attentaten meist lokale und regionale Ursachen zugrunde liegen, so ist doch offensichtlich, dass sowohl Ausführende als auch Hintermänner die Religion benutzen, um ihre Taten zu legitimieren, um anderen das Recht auf Leben und Freiheit abzusprechen. Sie beten den Allmächtigen an und geben sich gleichzeitig Allmachtfantasien hin, indem sie Menschen das Leben nehmen und andere Menschen in Trauer und Unglück stürzen. Indem sie Tabu um Tabu brechen, nicht davor zurückschrecken, sich neben der Prophetenmoschee in die Luft zu sprengen und damit Millionen von Muslimen zu zeigen, dass sie auf sie als „Ungläubige“ herabblicken, die den Tod verdienen, nehmen sie gleichzeitig eine ganze Religion und ihre Anhänger als Geiseln. Es fehlt nur noch, dass sie die Kaaba in Mekka, die heiligste Stätte des Islams, in die Luft sprengen, weil diese in vorislamischer Zeit von Polytheisten verehrt wurde, bevor sie als wichtiger sakraler Bestandteil in den islamischen Glauben integriert wurde. Durch ihre grausamen Taten entlarven sie sich einmal mehr als Fratze der Gewalt und es bleibt zu hoffen, dass wir Zeugen des endgültigen Aufbäumens einer Hydra werden, deren fanatischer Hass sie letztlich selbst vernichten wird.

 

Die Anschläge in den letzten zehn Tagen des Ramadan, bei denen in Mukalla (Jemen), in Istanbul, in Bagdad, in Dhaka (Bangladesch) und nun in Saudi-Arabien insgesamt hunderte Menschen getötet wurden, verhöhnen nicht nur die Spiritualität und Bedeutung des heiligen Monats, sondern auch das Recht auf Leben eines jeden Menschen. Sie verhöhnen die Schöpfung Gottes und damit den Schöpfer selbst.

 

Voller Trauer und Anteilnahme sind unsere Gebete und Gedanken bei den Toten und Verletzten und ihren Angehörigen.

 

Nushin Atmaca, 1. Vorsitzende LIB e.V.


Grußwort zum Ramadanende 2016

Liebe Geschwister im Islam,
as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa-barakatuhu

Wir wünschen Euch und Euren Familien ein gesegnetes und friedvolles ʿId-ul-Fitr. 

Es ist geschafft, die Anstrengung des Fastens ist vorbei und wir könnten zur gewohnten Tagesordnung übergehen, aber die Gedanken an die Situation in der Welt lässt uns inne halten. Voll Trauer gilt unser Mitgefühl denen, die Verwandte oder Freundinnen und Freunde bei den Anschlägen, gerade auch während des Ramadan, verloren haben und nun nicht voller Freude gemeinsam feiern können, weil jemand aus ihrer Mitte fehlt. Natürlich ist es den meisten bewusst, dass der Tag, an dem das Leben endet, für jeden kommt, aber das rechtfertigt keineswegs die verbrecherische Tat derer, die es den anderen, gleich welcher Religion oder Weltanschauung, nehmen. 

So schließen wir in das Festgebet auch die Bitte mit ein, dass Allah (t) sich all dieser Seelen erbarmen möge.
Uns selbst sollten all diese Gräueltaten nicht davon abhalten, immer wieder einen guten und friedvollen Weg des Miteinanders anzustreben und wir hoffen, dass das Fasten dazu beigetragen hat, unseren Kopf klarer und unsere Seelen liebevoller zu machen.

Wenn wir die Zuneigung Allahs anstreben, ist das Einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit ein guter Weg dorthin, heißt es doch im Koran:
„Diejenigen, die glauben und gute Werke tun - ihnen wird der Allerbarmer Liebe zukommen lassen. [19:96]“

In diesem Sinne wünschen wir ein gutes und aktives ʿId-ul-Fitr.

Eure Geschwister vom LIB e.V.


Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin, die Journalistin Daniela Schadt, besuchten am 13. Juni das öffentliche Iftar in Berlin-Moabit.

Dieses Fastenbrechen wurde vom Zentrum für interreligiösen Dialog Berlin-Moabit e.V. mitorganisiert, in dem der LIB Mitglied ist.

Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere 1. Vorsitzende Nushin Atmaca die Gelegenheit hatte, dem Bundespräsidenten unsere Arbeit und die der Berliner Gemeinde vorzustellen.

 

Bilder Copyright © Bundesregierung/Jesco Denze


Pressemitteilung Attentat im „Pulse“, Orlando, Florida

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist entsetzt und schockiert über das grausame Attentat im „Pulse“, einem Gay-Club in Orlando, Florida, mit über 50 Toten. Unser Mitgefühl gilt den Verletzten und ihren Angehörigen sowie den Hinterbliebenen der Getöteten.
Die offensichtlich ideologische Verbindung des Täters zum sogenannten „Islamischen Staat“ lässt vermuten, dass er seinen Hass auf Menschen anderer Sexualität religiös legitimierte. Die dem Hass folgende Tat lässt uns sprachlos zurück. Sie zeigt und erinnert daran, welcher Verachtung und welchen Gefahren nicht-heterosexuelle Menschen immer noch ausgesetzt sind, nicht nur in den USA und Europa, sondern überall.

Sofort nach der Bekanntgabe des Namens des Attentäters wurde das Verbrechen politisch für anti-muslimische Stimmungsmache ausgeschlachtet. Dies stimmt uns zusätzlich traurig. Als Muslime setzen wir uns bereits seit vielen Jahren gemeinsam mit zahlreichen deutschen und internationalen Partnern für einen inklusiven Islam und gegen die Diskriminierung von homosexuellen Menschen in muslimischen Kontexten ein. 

Wir begrüßen die Verlautbarungen muslimischer Organisationen und Einzelpersonen, die sich in dieser tragischen Stunde von dieser schrecklichen Tat distanziert, sich mit den Opfern solidarisiert und gegen den Hass auf homosexuelle Menschen ausgesprochen haben.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. wird sein Engagement gegen Homophobie weiter fortsetzen in der Hoffnung, dass mehr und mehr Menschen erkennen, dass die Diskriminierung Anderer aufgrund ihrer Sexualität sowohl religiös als auch menschlich durch nichts zu rechtfertigen ist.

 

DER VORSTAND, 12.06.16


Grußwort zum Ramadan 2016 

Es gibt viel, zu was zu Beginn des Fastenmonats gesagt und geschrieben werden könnte:
Zur Situation der Muslim_innen weltweit
Zur Situation der Flüchtlinge weltweit
Zur Politik, in diesem, unserem Lande.
Aber darüber ist schon vielerorts geredet und geschrieben worden.

Trotzdem gibt der Zustand der muslimischen Umma heute, wie bereits im letzten Jahr, Grund zur Sorge.
In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Darüber sprechen wir oft und viel, wenn es um den nichtmuslimischen Teil unserer Gesellschaft geht. Also fragen wir konkreter: In welcher muslimischen Gesellschaft wollen wir als Musliminnen und Muslime leben?
In einer Gemeinschaft, in der alle ‚gleichgeschaltet’ denken?
In einer Gemeinschaft, in der es nur eine Denkweise, eine Interpretation gibt?

Wir glauben, dass die Grundlage unseres Denkens und Fühlens als Menschen muslimischen Glaubens die Shahada ist und dass der Ramadan uns alle eint.
Wir fasten – jede/r auf ihre/seine Weise, wie sie/er es vermag. Diese Individualität innerhalb des Kollektivs war, ist und bleibt ein faszinierendes Element des Islam.

In diesem Sinne wünschen wir allen Mitglieder und allen Musliminnen und Muslimen weltweit einen gesegneten Ramadan.

Möge Allah unser Fasten annehmen.

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) - Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen - damit ihr die Frist vollendet und Gott dankt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.[2:185]


Germany’s Liberal-Islamischer Bund e.V. (Association of Liberal Muslims, LIB) is appalled by the negative and hateful reactions that were evoked this week by aninclusive Friday prayer in Bern (Switzerland) which was organized by the Inclusive Mosque Initiative UK on the 27th of May. These reactions unfortunately mostly came from people with a Muslim background.
Inclusive prayers have been a part of the lived realities of the global Muslim Ummah for a couple of years already and they are based on Islamic sources and traditions. The LIB itself has also been organizing inclusive prayers like this in the past few years. 

We declare our full solidarity with the Inclusive Mosque Initiative UK and its supporters in Switzerland and we sincerely hope that in the near future more Muslims from the whole world will embrace inclusive interpretations of Islam.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist entsetzt über die negativen und hasserfüllten Reaktionen, die es diese Woche online und anderswo auf das am 27.05. in Bern (Schweiz) organisierte inklusive Freitagsgebet der Inclusive Mosque Initiative UK gegeben hat. Diese Reaktionen stammten hauptsächlich leider aus einem muslimischen Umfeld.
Inklusive Gemeinschaftsgebete sind seit einigen Jahren eine Realität in der muslimischen Ummah und sie berufen sich genau so auf islamische Quellen und Traditionen. Der LIB führt solche Gebete ebenfalls seit einigen Jahren durch.

Wir sprechen der Inclusive Mosque Initiative UK und ihren UnterstützerInnen in der Schweiz unsere uneingeschränkte Solidarität aus und wir wünschen uns für die Zukunft, dass sich mehr MuslimInnen in der ganzen Welt für ein inklusives Islamverständnis einsetzen mögen.

Der Vorstand, 01.06.2016


Ramadan 2016

Unsere Gemeinden bereiten sich auf die nahende Fastenzeit vor - für groß und klein stand der Ramadan im Mittelpunkt bei den Gemeindetreffen am letzten Wochenende.

 

Anbei einige Bilder aus unserer Kölner Gemeinde, wo parallel zu dem Gemeindetreffen immer ein didaktisch ausgereiftes Kinderprogramm stattfindet.
Islamische Themen und Koranverse werden in altersgerecht vorgestellt und besprochen - natürlich in deutscher Sprache


PRESSEMITTEILUNG Grundsatzprogramm der AfD

Mit der Verabschiedung ihres neuen Grundsatzprogramms hat die Alternative für Deutschland (AfD) ihre anti-islamische Haltung nochmals manifestiert und arbeitet darüber hinaus darauf hin, gängige Vorurteile über den Islam wieder fest in (religions-)politischen Debatten in diesem Land zu verankern. Dazu zählen insbesondere die Behauptung, ein aufklärerisches Denken im Islam sei weder realistisch noch wünschenswert sowie die Deutung von Minaretten als Symbole eines politischen und gesellschaftlichen Herrschaftsanspruchs.

Beides ist falsch: Die islamische Geistesgeschichte kennt seit ihrer Entstehung rationale und aufklärerische Strömungen, die durch die Bewahrung und Übersetzung antiker griechischer Philosophen zur Entstehung der europäischen Aufklärung beigetragen haben. Heute gibt es eine Vielzahl progressiver und liberaler Strömungen innerhalb des muslimischen Spektrums, darunter den Liberal-Islamischen Bund e.V. selbst, die sich in dieser Tradition sehen. Und auch diejenigen Muslime, die konservativeren Denkschulen anhängen, stellen keinesfalls eine Gefahr für die Grundordnung und Verfasstheit dieses Landes dar.

Zudem ist der Islam, entgegen der Auffassung, die von Teilen der AfD vertreten wird, keine politische Ideologie. Bei der Debatte um den Bau von Minaretten geht es von muslimischer Seite aus demnach auch nicht um Herrschaftsansprüche, sondern um die Forderung nach einer Gleichbehandlung aller in Deutschland vertretenen, anerkannten Religionen. Diese sollte auch den Bau von Gotteshäusern umfassen: keine Religionsgemeinschaft sollte hier benachteiligt werden.

Der Liberal-Islamische Bund e.V. appelliert an alle politischen Akteure, solchen Forderungen standzuhalten, anstatt sie aufzugreifen und so die religiöse Freiheit einer Minderheit zu beschneiden. Religionsfreiheit umfasst unserer Meinung nach sowohl das Tragen des Kopftuches (nicht des Gesichtsschleiers) – auch in öffentlichen Gebäuden – als auch den Bau von Moscheen und Minaretten sowie den Gebetsruf. Sie umfasst das Beten und die Predigt auch in einer weiteren Sprache als Deutsch. Wir erwarten von den anderen im Bundes- und in den Landesparlamenten vertretenen Parteien, dass sie nicht dem Versuch erliegen, eine Minderheit als Feind der bestehenden Ordnung zu definieren, sondern dass sie sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander einsetzen, für dessen Gelingen Integrationsbemühungen von allen Seiten erforderlich sind.

DER VORSTAND, 02.05.16


Pressemitteilung - Vorstandswahlen

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. hat mit seiner ordentlichen Mitgliederversammlung am 24.4.2016 einen neuen Vorstand für die Dauer von zwei Jahren gewählt. Außerdem ist der Vorstand auf die Anzahl von neun Personen erweitert worden.

 

Fortan wird die Islamwissenschaftlerin Nushin Atmaca den ersten Vorsitz des Liberal-Islamischen Bundes e.V. innehaben.

Leyla Jagiella, Religionswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Islam, wird den zweiten Vorsitz übernehmen.

Udo Simon wird das Amt des Schatzmeisters übernehmen.

 

Dr. Andreas Wojcik und Michael R. Patock wurden als neue Mitglieder in den Vorstand des Liberal-Islamischen Bundes e.V. aufgenommen.

Dem Vorstand bleiben weiterhin die Islamische Religionspädagogin und Imamin Rabeya Müller aus Köln, sowie die Gründungsvorsitzende des LIB e.V. und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor erhalten. Beide Vorsitzende sowie die ehemalige Schatzmeisterin, Siham Zaaj, haben auf eigenen Wunsch nicht mehr für dieses Amt kandidiert.

Unsere langjährigen Vorstandsmitglieder Annika Mehmeti und Harald Dieter Abdul Hadi Schmidt El-Khaldi sind in den Vorstand wiedergewählt worden.

 

Der Islamwissenschaftler Christian Kübler wird das Amt des Pressesprechers des Liberal-Islamischen Bundes e.V. innehaben.

 

Wir danken dem bisherigen Vorstand für seine wichtige und intensive Arbeit und wünschen dem neuen Vorstand viel Erfolg und Gottes Segen für seine weitere Arbeit.

 

 

Der Vorstand, 25.04.16

 

(v.l.n.r.: Udo Simon, Rabeya Müller, Nushin Atmaca, Michael R. Patock, Leyla Jagiella, Harald Dieter Schmidt-El-Khaldi, Dr. Andreas Wojcik, Annika Mehmeti)

 

Pressemitteilung -  Anschlag auf Sikh-Tempel in Essen

 

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist erschüttert über den Terroranschlag, der vermutlich von jungen Muslimen aus terroristischen Motiven heraus auf eine Sikh-Gemeinde in Essen verübt wurde.

Wir sprechen den Verletzten, ihren Familien und Angehörigen sowie der gesamten Gemeinde unser Mitgefühl aus. Ausdrücklich verurteilen wir solche Taten und den Fanatismus, der ihnen innewohnt.

Überall in der islamisch geprägten Welt, aber gerade in Südasien, blicken Muslime auf eine lange Geschichte des Zusammenlebens und Austauschs mit anderen Religionsgemeinschaften, darunter auch die Glaubensgemeinschaft der Sikhs, zurück. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, das Wissen darüber zu erhalten und weiterzugeben und die Tradition des friedlichen und respektvollen Miteinanders sowie des interreligiösen Austauschs fortzusetzen – auch und gerade hier in Deutschland.

Dieser Anschlag zeigt deutlich, dass auch die deutschen Muslime vor der Aufgabe stehen, ihre Jugendlichen vor dem Abgleiten in den Radikalismus zu bewahren. Der LIB engagiert sich seit langem in diesem Bereich und wird dies auch in Zukunft fortsetzen. Gleichzeitig stehen wir vor der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, Jugendlichen abseits von Extremismus eine Perspektive zu geben. 


DER VORSTAND 22.04.16

Aktuelle Meldung

 

Neues Projekt des LIB e.V.: „Extreme out – Empowerment statt Antisemitismus“

 

Antisemitismus im muslimischen Umfeld - bei Erwachsenen wie bei Jugendlichen, individuell wie institutionalisiert - ist kein neues Phänomen. Allerdings rückt er erst in letzter Zeit vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dabei entspringt der reimportierte, „muslimische“ Antisemitismus – stärker noch als im deutschen Umfeld – einer unreflektierten Vermischung von Israelkritik und Solidarisierung mit den muslimischen Palästinensern. Eine nicht unerhebliche Rolle bei der Generierung und Stärkung des Antisemitismus können Diskurse in der eigenen Community (z.B. im Elternhaus, Freundeskreis, islamischen Institutionen) und beispielsweise das von türkischen oder arabischen Medien entworfene Bild vom Palästinakonflikt spielen. Um muslimische Jugendliche gezielt stärken zu können sowie ihre Potentiale mit ihnen gemeinsam zu entdecken und zu gestalten, greift das dreijährige Projekt auf den Lebensalltag der Jugendlichen zurück. In unserem innovativen Ansatz werden wir den allgegenwärtigen Antisemitismus thematisieren und mit den Jugendlichen bearbeiten. Dabei wird deutlich werden, dass Antisemitismus nicht nur kein originärer Teil des Islams ist, sondern dass die Frustration, die Erlebnisse eigener Defizite, die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation, Ursachen für jedwede Form von Extremismus sind. Stark ist nicht der Antisemit, sondern stark ist derjenige, der Extremismus überwindet und zu seinen eigenen Stärken und Schwächen steht, Teil der Gesellschaft wird und mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit formt. Raus aus dem Extrem, hin zu seinen eigenen Potentialen – das wird schon in unserem Projekttitel deutlich! 

Zielgruppe sind muslimische Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren. Primäres Ziel des Projektes ist, Jugendliche mit muslimischem Hintergrund zu stärken und dabei zu unterstützen, Teil der deutschen Gesellschaft zu werden. 
Das Projekt „Extreme out – Empowerment statt Antisemitismus“ startet im Dezember 2015 in Dinslaken und wird über einen Zeitraum von 3 Jahren durchgeführt. Das Team, das bereits das preisgekrönte Projekt „Muslim 3.0“, sowie das Anti-Salafismus-Projekt „Extrem out – Gemeinsam gegen Salafismus“, durchgeführt hat, ist auch hier Initiator: Lamya Kaddor wird für den Liberal-Islamischen Bund e.V. die Projektleitung übernehmen. 

Kooperationspartner ist das IBIS Institut. 


Ansprechpartner: Annika Mehmeti (info@lib-ev.de)

 

 

 

 

 

 


 

LIB-Projekt:

Extrem out - gemeinsam gegen Salafismus

5. September 2014

Am 02.09.2014 wurde mit einer Auftaktveranstaltung der offizielle Startschuss für das im Herbst 2014 in Dinslaken stattfindende Projekt „extrem out“ gegeben. Die islamische Religionspädagogin, Lamya Kaddor, und der Sozialarbeiter, Ali Kaya, stellten das Projekt „extrem out“ der interessierten Öffentlichkeit vor.

Der Stellvertretende Bürgermeister der Stadt Dinslaken, Eyyüp Yildiz, hob die Notwendigkeit eines nachhaltigen Projektes gegen Extremismus, speziell gegen die salafistische Szene in Dinslaken, hervor: „Wir unterstützen und freuen uns, dass man sich hier der salafistischen Herausforderung stellen will. Das Problem ist, dass sich einige wenige junge Menschen von der deutschen Gesellschaft entfremden. Sie suchen nach Identifikation auch außerhalb der Familie und dem Freundeskreis, die aber scheitert. Mithilfe des Projektes „extrem-out“ kann einer möglichen Entfremdung und Abdriften ins Extreme entgegen gegangen werden.“

Das Ziel des Projektes, so Lamya Kaddor, ist, den Salafismus als politische Ideologie kritischer zu betrachten und die Jugendlichen auf eine heterogene, moderne Gesellschaft vorzubereiten. Dabei liegt die besondere Herausforderung darin, sich als männliche Jugendliche mit zwei muslimischen Theologinnen im Gespräch über wichtige religiöse und gesellschaftsrelevante Themen auseinanderzusetzen.

Extrem out

 

Der Vorstand